Premierensaison 2024
Skandinavien gilt als Vorreiter in punkto Elektromobilität. Entsprechend groß ist der Druck, auch die nationale Motorsportlandschaft anzupassen. Die STCC hat eine fast drei Jahrzehnte lange Tradition und ist auch über die Landesgrenzen hinweg populär. 2022 kündigten die Organisatoren an, die Serie vollständig auf Elektroantriebe umzustellen. 2024 wurde eine kurze erste Saison auf Basis von Modellen von BMW, CUPRA, Tesla und Volkswagen ausgetragen. Den Titel sicherte sich Mikael Karlsson mit einem Tesla Model 3. Die Saison fiel vergleichsweise kurz aus und machte deutlich, dass wirtschaftliche und strukturelle Herausforderungen die Transformation erheblich erschweren können.
Neustart geplant
Nach dem kurzfristigen Ausstieg des bisherigen Promoters SNB Events pausiert die Serie. Langfristig ist ein Neustart mit einem robusteren Geschäftsmodell geplant. Ein „Arrive and Drive“-Modell soll Teams fixe Saisonkosten von 350.000 EUR garantieren, inklusive Batterieleasing und Technik-Support. Neben reinen E-Antrieben wird – analog zur Rallycross-Weltmeisterschaft – die Nutzung von E-Fuels in Verbrennermotoren diskutiert, um traditionelle Hersteller einzubinden. Neben klassischen Rennstrecken sind auch Stadtrennen geplant. Ob und in welcher Form dieser Neustart tatsächlich umgesetzt wird, hängt jedoch maßgeblich von neuen Investoren und einer stabilen organisatorischen Struktur ab.
Fahrzeugkonzept
Die Elektrofahrzeuge für die STCC wurden von PWR Racing entwickelt und zentral gebaut. Wie bei klassischen Verbrenner-Tourenwagen basieren die E-Racer auf serienmäßigen Karosserien, die für den Renneinsatz modifiziert werden. Akku und Elektroantrieb sind bei allen Fahrzeugen gleich und stammen vom österreichischen Spezialisten STARD. Die begrenzte Verfügbarkeit der 78-kWh-Akkupacks war – neben der Finanzierung – der bisher größte Hemmschuh bei der Weiterentwicklung des innovativen Konzeptes, das langfristig auch in andere Länder ausgerollt werden sollte.
Nachhaltigkeitskonzept
Die STCC verfolgt einen Dreiklang aus ökologischen Maßnahmen. Der Grünstrom an den Rennstrecken kommt aus Windparks in Nordschweden, gespeist über mobile Batteriecontainer von Partner Northvolt. Ausgediente Rennbatterien werden zu stationären Speichern für Rennstrecken umgerüstet, etwa in Anderstorp. Begleitfahrzeuge und Transporter nutzen hydriertes Pflanzenöl (HVO100), das CO₂-Emissionen deutlich reduziert.
Die STCC gilt damit als ambitioniertes, aber noch nicht vollständig etabliertes Beispiel für die Elektrifizierung nationaler Tourenwagenserien.