Formel 1

Foto: © AUDI AG
Die Formel-1-Weltmeisterschaft (FIA Formula One World Championship) ist die populärste Rennserie der Welt. Sie wird seit 1950 ausgetragen. Sie wird von der FIA und der FOM (im Besitz von Liberty Media) organisiert.

Inhaltsverzeichnis

  1.  

Nachhaltigkeitsziele

Die Formel 1 hat 2019 ihre Nachhaltigkeitsstrategie vorgestellt. Sie verfolgt das Ziel, bis 2030 Netto-Null-Emissionen (Net Zero) über den gesamten Betrieb der Rennserie hinweg zu erreichen und setzt dabei auf eine umfassende Reduktion der Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Mit der Entwicklung nachhaltiger Kraftstoffe möchte die Formel 1 zudem aufzeigen, wie sich der CO2-Ausstoß bestehender Verbrennungsmotoren reduzieren läßt.

Antrieb

Die Emissionen der Rennwagen selbst machen laut der FOM weniger als 1 Prozent der gesamten CO2-Bilanz der Formel 1 aus. Die Rennserie ist sich jedoch ihrer Vorbildfunktion bewusst. 2014 wurden Hybridmotoren mit integriertem Energie-Rückgewinnungs-Systemen (ERS), eingeführt, die als besonders effizient gelten. Der Anteil elektrischer Leistung wurde 2026 auf fast 50 Prozent erhöht. Während die Freiheiten bei der Entwicklung des Verbrennungsmotors deutlich eingeschränkt wurden, herrscht im Bereich des elektrischen Antriebs ein nahezu offener Wettbewerb, der technische Innovationen fördert. Gleichzeitig wurde der Kraftstoffverbrauch des Verbrennungsmotors weiter limitiert.

Mit dem Reglement ab 2026 entfiel zudem das für Serienfahrzeuge nur wenig relevante, aber sehr komplexe MGU-H-System – ein Generator, der Abgasenergie aus dem Turbolader in elektrische Energie umwandelt –, während der elektrische Anteil deutlich erhöht und vollständig nachhaltige Kraftstoffe eingesetzt werden, was den technologischen Fokus stärker auf Elektrifizierung und Effizienz verschob.

Kraftstoffe

Seit der Saison 2026 sind in der Formel 1 100 % nachhaltig produzierte Kraftstoffe vorgeschrieben, die für einen erheblichen Teil der Emissionsreduzierungen bei den Rennwagen selbst sorgen sollen. Diese Treibstoffe werden aus nicht-fossilen Quellen gewonnen. Bei der Entwicklung herrscht ein offener Wettbewerb unter den Kraftstoffherstellern. Die neuen Kraftstoffe werden sogenannte „Drop-in fuels“ sein. Das heißt, sie können ohne Modifikation in bestehenden Verbrennungsmotoren eingesetzt werden und könnten im Straßenverkehr zu einer Dekarbonisierung des derzeitigen Fahrzeugbestands dienen.

Logistik und Transport

Der Großteil der Emissionen entsteht nicht durch die Fahrzeuge selbst, sondern durch Logistik, Reisen und Infrastruktur rund um die Rennserie. Die Formel 1 arbeitet daran, den Transport von Ausrüstung und Personal effizienter zu gestalten, beispielsweise durch die Planung direkterer Routen, die Nutzung von Seefracht statt Luftfracht, wo möglich, und den Einsatz von Biokraftstoffen. Darüber hinaus testet die Formel 1 den Einsatz von Sustainable Aviation Fuel (SAF), um auch die Emissionen im Lufttransport signifikant zu reduzieren. 2022 wurden die Frachtcontainer umgestaltet, um den Einsatz effizienterer Frachtflugzeuge vom Typ Boeing 777F einsetzen zu können. Bei den Europarennen konnte die FOM 2023 durch den Einsatz von Biokraftstoff den CO2-Ausstoß in der Logistik um 83 Prozent senken. Für den Paddock Club wurden leichtere Materialien und optimierte Transportlösungen entwickelt. Zusätzlich wird der Rennkalender zunehmend geografisch optimiert, indem Veranstaltungen regional gebündelt werden, um Transportwege zwischen den Rennen zu verkürzen und Emissionen zu reduzieren.

Remote Working

Die Formel 1 ist bemüht, die Zahl der Mitarbeitenden, die zu Events reisen, zu reduzieren. Die Zahl der Teammitglieder vor Ort ist limitiert, weitere Mitarbeitende sind von den Teamsitzen aus remote mit den Teams an der Rennstrecke verbunden. Seit 2020 wird auch ein großer Teil der TV-Produktion remote abgewickelt.

Energiemanagement

Bei den Rennveranstaltungen wird zunehmend auf den Einsatz erneuerbarer Energien gesetzt. Dazu gehört die Nutzung von Solarenergie für temporäre Einrichtungen, die Verwendung von Energie aus erneuerbaren Quellen zur Stromversorgung der Veranstaltung und die Implementierung von Energiesparmaßnahmen. Pilotprojekte wie beim Grand Prix von Österreich 2023 zeigen, dass durch den Einsatz CO₂-armer Energiesysteme bereits erhebliche Emissionsreduktionen im Paddock erreicht werden konnten und dienen als Grundlage für eine breitere Umsetzung bei weiteren Veranstaltungen. Auch an ihren Standorten setzen die FOM und die Teams verstärkt auf erneuerbare Energien. 

Eventmanagement

Es wird Wert auf nachhaltiges Management der Rennveranstaltungen gelegt, indem lokale Lieferketten für Nahrungsmittel und Materialien genutzt und Möglichkeiten zur Reduzierung des Wasserverbrauchs und zur Minimierung von Umweltbelastungen gesucht werden. 2023 boten über 85% der Veranstalter umweltfreundliche Transportmöglichkeiten wie Shuttlebusse, Fahrradparkplätze und Park-and-Ride-Optionen an. Kampagnen zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und Anreize wie Rabatte auf Tickets bei Nutzung umweltfreundlicher Transportmittel wurden eingeführt.

Abfallmanagement und Recycling

2022 hat die Formel 1 Leitlinien für die Rennveranstalter für die Durchführung nachhaltiger Veranstaltungen erstellt und eine Zero-Waste-Initiative gestartet. Um den Abfall auf ein Minimum zu reduzieren, werden bei den Veranstaltungen Recycling-Programme durchgeführt und auf Einwegplastik verzichtet. Die Formel 1 fördert insgesamt die Kreislaufwirtschaft durch das Recycling von Materialien und die Wiederverwendung von Komponenten. Dies umfasst sowohl Fahrzeugteile als auch Verpackungsmaterialien und Infrastrukturgegenstände bei Veranstaltungen. 

Reifen

Mit einem guten Beispiel geht auch Reifenlieferant Pirelli voran, der alte Formel-1-Reifen früher verbrannt hat. Inzwischen werden die Reifen für die Herstellung neuer Anwendungen wie Kunststoffböden, Asphalt und andere Anwendungen verwendet. Pirelli verwendet Reifen, die eine FSC-Zertifizierung für die Verwendung nachhaltig hergestelltem Naturkautschuk und Zellwolle besitzen. Durch ein neues Verfahren bei der Montage auf die Felgen können inzwischen auch unbenutzte Regenreifen für den Einsatz bei drauffolgenden Veranstaltungen verwendet werden. Laut Pirelli wurden früher bis zu 3.000 unbenutzte Regenreifen pro Jahr vernichtet. 

Formel 1 als Vorbild

Die Formel 1 nutzt ihre Plattform, um Umweltbewusstsein zu fördern und das Verständnis für nachhaltige Mobilität und Technologien weltweit zu erhöhen. Dies umfasst Bildungsprogramme für Fans, Schulen und Gemeinden über die positiven Auswirkungen von umweltfreundlichen Praktiken. Mit Programmen wie F1 in Schools und Formula 1 Engineering Scholarship werden Studierende früh an die Formel 1 herangeführt. Gleichzeitig steht die Formel 1 vor der Herausforderung, ihre wachsende Anzahl an Rennveranstaltungen mit den eigenen Nachhaltigkeitszielen in Einklang zu bringen.

Racing For The Climate e.V.
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