Nachhaltigkeit am „Race to the Clouds“
Die Streckenbedingungen am Pikes Peak im US-Bundesstaat Colorado sind besonders herausfordernd: Fast 20 Kilometer Länge, 156 Kurven und ein Höhenunterschied von rund 1.400 Metern verlangen den Fahrzeugen und Piloten alles ab. Die hohe Lage (bis über 4.300 Meter) benachteiligt Verbrennungsmotoren, weil ihnen mit zunehmender Höhe Sauerstoff fehlt und somit Leistung verloren geht. Elektromotoren sind davon nicht betroffen und können ihre volle Power entfalten – das macht sie zum idealen Zugpferd für zukunftsorientierte Konzepte.
Elektrische Rekorde und Innovation
2018 schaffte Volkswagen mit dem vollelektrischen I.D. R Pikes Peak einen Meilenstein: Romain Dumas stellte einen Allzeitrekord auf und schlug sämtliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Auch die Ladeinfrastruktur vor Ort wurde vergleichsweise emissionsarm betrieben – der Strom für den Rennwagen kam aus Generatoren, die mit Glycerin betrieben wurden und nahezu emissionsfrei arbeiteten. Seitdem zeigt das Bergrennen jährlich, wie unterschiedliche Hersteller mit immer leistungsstärkeren und effizienteren Elektroautos am Start sind. Der Ford F-150 Lightning SuperTruck EV (1.600 PS!), SuperVan 4, Mustang Mach-E und Hyundai-Fahrzeuge sorgten für neue Bestzeiten und Aufsehen. Für die Hersteller dient das Rennen dabei nicht nur als Wettbewerb, sondern auch als Testlabor unter extremen Bedingungen, um neue Technologien in kurzer Zeit an ihre Grenzen zu bringen.
Gesamtsieg für Ford
Besonders intensiv hat Ford das Pikes-Peak-Rennen in den vergangenen Jahren für den Einsatz vollelektrischer Prototypen genutzt. 2026 gewann Romain Dumas mit dem Ford Mustang Mach-E mit 8.18,202 Minuten die Gesamtwertung. Der speziell entwickelte Demonstrator wurd von drei STARD-UHP-6-Phasen-Elektromotoren mit mehr als 1.400 PS angetrieben. Seine 50-kWh-Batterie ermöglichte eine Rekuperationsleistung von bis zu 710 kW, während das Aerodynamikpaket laut Ford bis zu 12.000 Pfund Abtrieb erzeugte.
Dem Gesamtsieg ging eine gezielte Entwicklungsphase voraus: 2025 hatte Ford das Fahrzeug auf einer wetterbedingt verkürzten Strecke eingesetzt, anschließend Fahrwerk, Lenkung, Gewichtsverteilung und Aerodynamik umfassend weiterentwickelt. Der Mach‑E knüpft zudem an Fords elektrische Pikes-Peak-Erprobung an: Bereits 2023 fuhr Dumas mit dem dreimotorigen, ebenfalls mehr als 1.400 PS starken SuperVan 4.2 in 8:47,682 Minuten einen Rekord in der Open-Klasse.
Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor
Das Pikes-Peak-Rennen ist inzwischen ein Schaufenster für grüne Technologien, alternative Energieträger und innovative Batterielösungen. Die Kombination aus extremen Bedingungen, internationalem Wettbewerb und technologischer Offenheit macht die Veranstaltung zu einer wichtigen Plattform für die Entwicklung nachhaltiger Motorsporttechnologien. Mit jedem neuen Rekord und jedem weiteren Elektrofahrzeug wächst die Akzeptanz und das Bewusstsein, dass Klimaschutz und Wettbewerb keine Gegensätze sind, sondern sich inspirieren können. Gleichzeitig liegt der Fokus weniger auf der vollständigen Nachhaltigkeit der Veranstaltung selbst, sondern vor allem auf der Entwicklung und Demonstration zukunftsfähiger Antriebstechnologien.