Die Idee: Motorsport ohne Reglement-Fesseln neu denken
Der DGR-Lola ist ein vollelektrischer Prototyp, der in Simulationen den Grand-Prix-Kurs von Monaco 4,3 Sekunden schneller umrundet als ein aktuelles Formel-1-Auto – laut Lola Cars bei rund zehnmal höherer Energieeffizienz. Der DGR-Lola wurde bewusst „from first principles“ entworfen, also ohne die Einschränkungen eines bestehenden Reglements. Lucas di Grassi wollte wissen: Was wäre möglich, wenn man mit heute verfügbarer Technologie das schnellste und gleichzeitig effizienteste Rennauto der Welt bauen würde? Die Antwort ist ein Monoposto, der als Blaupause für die nächste Generation elektrischer Rennserien dienen kann und Regelmacher, Hersteller und Fans daran erinnern soll, dass Höchstleistung und Nachhaltigkeit keine Gegensätze sind. Das Konzept versteht sich ausdrücklich auch als Impuls für die Formel E.
Das technische Konzept
Der DGR-Lola ist ein vollelektrischer Formel-Rennwagen mit Allradantrieb und zwei Elektromotoren, die zusammen 600 kW (rund 804 PS) leisten. Die Energie liefert eine integrierte 60-kWh-Batterie. Das Akkupaket besteht aus vier separaten Modulen: einem an der Front, zwei an den Seiten und einem am Heck. Für Qualifying-Runs lassen sich die seitlichen Module ausbauen, um Gewicht zu sparen; für lange Rennstints kommen sie wieder hinein. So wird der Energieeinsatz für jede Session bedarfsgerecht angepasst. Zusätzlich sitzt die Batterie tief im Fahrzeugboden – das senkt den Schwerpunkt spürbar und verbessert die Gewichtsverteilung. Das spektakulärste Merkmal ist die aktive Aerodynamik nach dem „Fan Car“-Prinzip, das schon 1978 den legendären Brabham BT46B prägte – nun in konsequent elektrischer Interpretation. Zwei Turbinen mit jeweils 30 kW saugen Luft unter dem Fahrzeug ab und erzeugen so laut di Grassi bis zu zwei Tonnen Abtrieb bei einem Luftmassenstrom von 70 kg/s. Bei hohen Geschwindigkeiten werden die Turbinen abgeschaltet – dann übernehmen Diffusor und Karosserieform. Ergebnis: konstant hoher Abtrieb über den gesamten Geschwindigkeitsbereich und rund 3G Querbeschleunigung in jeder Kurve, egal ob langsam oder schnell. Das Prinzip stammt vom McMurtry-Konzept „Downforce on Demand“ und ist laut di Grassi bis zu fünfmal effizienter als klassische Flügel: Für dieselbe Abtriebsleistung braucht ein klassischer Flügel fünfmal so viel Energie in Form von Luftwiderstand. Die Räder sind vollständig verkleidet. Das reduziert den Luftwiderstand deutlich und sorgt bei Regen dafür, dass kaum Sprühnebel entsteht – laut di Grassi ein Sicherheitsgewinn gegenüber klassischen Formelfahrzeugen.
Das Projektteam
Der DGR-Lola ist ein Proof-of-Concept: Er zeigt, dass sich der Energieverbrauch im absoluten Hochleistungsbereich drastisch senken lässt, ohne bei Geschwindigkeit Kompromisse einzugehen. Entwickelt und konstruiert hat den Wagen Lucas di Grassi selbst. Unterstützung kam von einem Netzwerk spezialisierter Partner. Lola Cars steuerte technisches Know-how, Simulationen und die Entwicklungsinfrastruktur in Silverstone bei. LamTec (Sebastian Lamour) übernahm das CAD-Design.Chris Paul Design erstellte die visuellen Renderings. Airshaper verantwortete die CFD-Strömungssimulationen. Alle Mitglieder des Projekts verstehen Motorsport ausdrücklich als Innovationsplattform für nachhaltige Technologien.
Ausblick: vom Rendering zum realen Rennwagen
Für di Grassi endet das Projekt nicht am Bildschirm. „Dieses Projekt soll eine Inspiration für zukünftige Generationen von Elektrorennwagen sein“, sagte er bei der Vorstellung im November 2025. „Die Frage, ob solche Autos schneller als die Formel 1 sein können, wurde mit Daten und Simulationen beantwortet. Mein Plan ist es, dieses Auto innerhalb der nächsten zwei Jahre zu bauen.“ Gelingt dieser Schritt, könnte der DGR-Lola nicht nur als rollender Demonstrator dienen, sondern zum Taktgeber für eine neue Generation elektrischer Top-Rennserien werden.